SEO-Koryphäe Bastian Grimm im Gespräch | WEBeLINE

SEO-Koryphäe Bastian Grimm im Gespräch

07.06.2011

„SEO ist – nach wie vor – solides Handwerk“

Aber auch solides Handwerk ist Veränderungen und Wandlungen unterworfen. Wer wüsste das besser als der Handwerker – in diesem Fall SEO-Experte Bastian Grimm – selbst? Darum hat WEBeLINE mit ihm über Entwicklungen, Bewegungen und Neuerungen rund um Suchmaschinenoptimierung gesprochen und Themen wie Social Media, Linkaufbau, Tools etc. beleuchtet.

Wir kommen um diese Frage nicht herum: Wie hat Social Media die Suchmaschinenoptimierung verändert bzw. beeinflusst?

Bastian Grimm: Eine philosophische Frage zum Start – cool! Wenn mir jemand von 3 Jahren gesagt hätte, dass ein Facebook oder auch Twitter als Relevanzkriterium herangezogen wird, hätte ich vermutlich auch nur gelächelt. Sicher war es klar, dass etwas wie der so genannte „Social Circle“ kommen muss, denn einzig Empfehlungen von Freunden - mit ähnlichen Interessen - haben eine wirklich hohe Relevanz und können nachhaltig für eine bessere Suchergebnisqualität sorgen. Insofern bedeutet das für eine zukünftige SEO-Strategie sicherlich auch, dass ich mir für mein „Big-Picture“ überlegen muss, wie ich denn mit meiner Seite diese Kanäle sinnvoll bediene.

Würdest du als SEO-Experte dazu raten, Social Media für die Suchmaschinenoptimierung zu nutzen oder ist es gar so, dass Social Media für die Off-Page Optimierung heutzutage unumgänglich ist?

Bastian Grimm: Vor einigen Wochen fand in München die Search Marketing Expo (kurz: SMX) statt – während der Keynote wurden die „Search Engine Ranking Factors 2011“ (im Grunde eine Befragung von über 100 namhaften SEO-Experten) vorgestellt. Der Konsens war hier, dass insbesondere Facebook Shares bereits von Google als Relevanzkriterium genutzt werden. Daher ist die Antwort hier eindeutig: Ja. Man kommt kaum drum herum, zu überlegen, wie ein Facebook sinnvoll nutzbar ist. Und am Ende ist die Botschaft dann relativ klar: Als kleine, „dünne“ Affiliate-Seite werde ich nicht mehr furchtbar lange konkurrenzfähig arbeiten können. Ich muss versuchen, mich als Brand zu etablieren – und das funktioniert nur, wenn ich auch im sozialen Umfeld aktiv bin und meine Marke auf- bzw. ausbaue.

Welche Tipps kannst du diesbezüglich geben? Wie kann ich mir Social Media bei meiner eigenen Suchmaschinenoptimierungsmaßnahmen zunutze machen? Was gilt es, auf jeden Fall zu vermeiden?

Bastian Grimm: Nun, grundsätzlich einmal sei gesagt, dass das alte Sprichwort „Ist der Name erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“ (das ging doch so!?) insbesondere auch im Social-Channel eine sehr große Rolle spielt. Sicherlich ist vieles in diesem Bereich experimentell und Testen gehört auch dazu, aber bitte so, dass ich meiner Marke nicht schade. Weiterhin sollte es dem User möglichst einfach gemacht werden, Content zu verbreiten – d.h. die Integration des „Like“-Buttons (ja, Datenschutz, ich weiß…) oder ein „Tweet-This“-Button sind aus meiner Sicht Pflicht geworden. Übrigens, dazu noch ein Tipp: Die Integration des Facebook Widgets ist aus der Conversion-Sicht absolut gigantisch – wenn User die Bilder ihrer Freunde auf deiner Seite sehen, wird um ein Vielfaches mehr geklickt, als nur auf einen stupides „Like“ ohne selbige.

Viel diskutiert wird auch der richtige Linkaufbau. Welche Rolle spielt dieser bei professionellen SEO-Maßnahmen?

Bastian Grimm: Stimmt – und Linkaufbau wird auch ein wichtiges Thema bleiben und weiterhin diskutiert werden. Denn auf der SMX wurde auch seitens Google noch einmal bestätigt, dass Social zwar wichtig ist und noch wichtiger werden wird, aber (aktuell) ein Link immer noch ein Vielfaches mehr an Gewicht hat. Und demnach mag sich evtl. die Gewichtung etwas verschieben (den Trend kann man über das letzte Jahr bereits etwas beobachten), aber ohne Linkaufbau wird meine Seite im organischen Suchindex nicht gefunden werden.

Die Wichtigkeit des Linkaufbaus ist also gegeben. Wie sieht denn für den Experten ein idealer Linkaufbau aus?

Bastian Grimm: Kontinuierlich, stetig (leicht) steigend, themenrelevant, natürlich und sauber. Alles klar? Alles klar! Klingt wie Spaß, ist es leider aber nicht. Viele Seitenbetreiber beschweren sich, dass die eigene Seite nicht gefunden wird. Andere sprechen gar von Abstrafung – und am Ende des Tages ist nicht selten einfach schlechter Linkaufbau schuld. Schauen wir uns die vorher genannten Kriterien kurz im Detail an:

Kontinuierlich: Hier ist wichtig, dass das Linkwachstum entsprechend verteilt stattfindet. Bitte nicht „einmal zum Ende des Monats einen Tag Links machen“ und dann reicht’s. Diese Spitzen sieht man ganz häufig bei Seiten, die von Agenturen betreut werden und wo zum Monatsende noch Restbudget ausgegeben werden muss. Diese Muster erkennt Google ganz sicher.
Steigend: Hier geht es primär um Wachstum. Eine erfolgreiche Seite erhöht automatisch die Reichweite. Gleichermaßen den Bekanntheitsgrad, der wiederrum dafür sorgt, dass eine Seite immer mehr „automatisch“ verlinkt wird. Das sollte auch im Linkaufbau berücksichtigt werden.
Themenrelevant: Nun, darüber lässt sich möglicherweise ein Stück weit streiten und insbesondere Themenrelevanz auf Domainebene mag teilweise überbewertet werden – aber dennoch würde ich keinen Link von einer Kreditseite auf eine mit Erotik-Themen setzten, das passt einfach nicht.
Natürlich: Gemeint ist, dass der Link nicht sofort „aufgebaut“ aussehen sollte – das wäre nachteilig insofern, als dass im Nachhinein schnell manuelle oder filterbasierte Entwertungen stattfinden können. Hier ist wichtig, dass der / die Link(s) sich einfach in das Gesamtbild der linkgebenden Seite einfügen.
Sauber: Kein Spam, keine Links von gehackten Seiten, etc.
Klar, es gibt noch einige Kriterien mehr – aber diese sind oftmals auch von Fall zu Fall zu entscheiden.

Die Meinungen gehen auseinander: Sind gekaufte Links heute überhaupt noch zeitgemäß?

Bastian Grimm: Nun, es kommt sicher immer darauf an, wen du dazu fragst. Aber klar, Linkkauf ist ein zwiespältiges Thema. Insbesondere, weil von Dienstleistern (sofern beansprucht) nicht richtig aufgeklärt wird und der Betreiber danach oftmals vor einem Scherbenhaufen steht. Wir sehen das auch ganz stark in den Anfragen, die an uns gestellt werden - nicht wenige Betreiber hatten hier Ärger (und häufig wegen schlechten Linkaufbau) mit ihrem Dienstleister. Mit dem Thema kann man nun auch mehrere Seiten füllen – aber ich versuche mal, es überschaubar zu halten: In extrem wettbewerbsstarken Umfeldern ist es aktuell (in Deutschland) vollkommen normal, Links zu kaufen – und das liegt einfach auch darin begründet, dass z.B. eine Versicherungsseite kaum natürlich verlinkt wird (maximal aus Diskussionsforen, wenn es Erfahrungen o.ä. dazu gibt). Ohne Links werde ich aber z.B. für den Begriff „Haftpflichtversicherung“ nun mal nicht gefunden – und dann kann es durchaus ein Mittel sein, einen anderen Seitenbetreiber für die Linkintegration zu „inzentiveren“ - das kann in Form von Geld, Gutscheinen oder was auch immer sein. Und wenn man sich dann anschaut, wie viele Seiten zu diesem Begriff gefunden werden wollen (Makler, Versicherer, Affiliates, Vergleicher, etc.) und dass es aber nur 10 Plätze auf Seite 1 gibt, ist relativ schnell klar, dass man ein entsprechendes Wachstum möglicherweise nur über eine solche Vorgehensweise realisieren kann. Der Nachteil für den Betreiber ist klar, dass eine gewisse Kostenspirale entsteht: Links, welche ausschließlich gemietet werden, sind insofern nachteilig, als dass – wenn das maximale Budget erreicht wird – kein Wachstum mehr da ist. Und bei Vertragsende fallen diese dann auch wieder weg. Wird also dieser Weg gewählt, ist unbedingt drauf zu achten, hier z.B. einen Mix aus Miete und Einmalzahlungen zu realisieren. Und auch eine „Exit-Strategie“ ist zwingend notwendig.
Disclaimer (wer weiß, wer das so liest…): Ich sage nicht, kauft Links – oder kauft sie nicht. Generell passt die Aussage eines geschätzten Kollegen hier sehr gut: If you do it, be smart about it!

Bei all den Neuerungen sowie dem Hintergrund, dass sich Google-Suchergebnisse stetig ändern, stellt sich die Frage, wie Konstanz in die eigene Suchmaschinenoptimierung zu bringen ist?

Bastian Grimm: SEO ist – nach wie vor – solides Handwerk. Man muss es nur verstehen. Die Basics sind (und daher hatten wir ja auch in der WEBeLINE vor einer Weile die „SEO-Basics“-Serie) immer noch die gleichen. Zu allererst muss ich einmal meine Hausaufgaben machen (aka on-page arbeiten und hier eine saubere Basis schaffen) und mich dann um Buzz (aka off-page Themen) bemühen. Diese Kombination funktioniert immer noch gleich.

Was muss ich machen, um auf Dauer mehr als „zehn grüne Links“ zu bekommen? Kannst du Tipps zum Vorgehen geben?

Bastian Grimm: Wie du völlig richtig sagst, sind die Google Ergebnisse extrem dynamisch geworden. Und wo früher tatsächlich nur 10 Textlinks untereinander zu finden waren, haben wir heute Bilder, Videos, eine Twitter Integration, Shopping, News, Lokal und vieles mehr.
Grundsätzlich kann mein Ziel ja nur sein, möglichst in jedem dieser Vertikalen vertreten zu sein – und die maximale Aufmerksamkeit für meine Seite zu erzeugen. Das bedeutet weiterhin, dass ich mir jede dieser Integrationen anschauen muss und zu überlegen habe, wie ich dieses Content-Thema bedienen kann. Seien das nun Videoclips, ein thematisch passender und inhaltlich aktueller Twitter Account oder ein Produktfeed, um in den Shopping-Ergebnissen gelistet zu werden. Hier wird SEO in den kommenden Jahren sicherlich noch breiter werden und es wird dann möglicherweise Spezialisten für einzelne Search-Verticals geben. Erste Ansätze gibt es hier ja bereits.

Wer mit Bastian Grimm, Geschäftsführer der Grimm Digital GmbH & Co. KG, in Kontakt treten will, der findet seine vollständigen Kontaktdaten unter www.grimm-digital.com

 

Das komplette Interview mit Bastian Grimm lesen Sie in der WEBeLINE 05/11

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